Nachbereitung WaveWednesday 13.08.2009

Die Fotos vom letzten WaveWednesday, die ich mit meinen lausigen Fotografierkünsten und meiner kleinen, günstigen Digitalkamera gemacht habe, sind jetzt online. (bzw. gleich – sie werden gerade hochgeladen, als ich das hier schreibe)

Der WaveWednesday war wieder ein voller Erfolg. Leider hat das schlechte Wetter einige angemeldete Teilnehmer vom Kommen abgehalten – in Düsseldorf hat es geschüttet wie aus Eimern.

Vorträge haben gehalten:

Alle Vorträge waren also eher konzeptionell als praktisch (Begriffe wie “Weltfrieden” und “Sozialticket” sind aber nicht gefallen ;-)). Aber das ist auch das Phänomen, dass uns immer wieder begegnet, wenn wir über Google Wave reden. Man kommt super schnell von der eigentlichen Technik auf die Auswirkungen / Konsequenzen einer solchen Technologie zu sprechen.

Die Dekohärenz sozialer Systeme

Die Geschwindigkeit der Manifestierung konkurrierender konkreter sozialer Formen ergibt sich aus den Freiheitsgraden soziologischer Systeme miteinander zu wechselwirken. Dieser Gerinnungsprozess von Ideen bildet die Stufen der Evolution. Werkzeuge solcher Systeme müssen zur Beschleunigung dieses Prozesses die Sicht auf neue, qualitativere kommunikative Bahnen zumindest freigeben. Die Vereinigung der kommunikativen Bahn mit einem ausreichend starken Attraktor kann der bewussten und gewollten Evolution Vortrieb sein. Die Automotivation einer Gattung zur Selbstverbesserung.

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Google Wave als Raum und die Macht der Metapher in Zeiten der Restauration

Dieser Artikel ist, mit minimalen Änderungen, identisch mit meiner Präsentation zum 2. Düsseldorfer WaveWednesday am 12. August 2009.

Eines der erfolgreichsten deutschen Gegenwarts-Meme ist die Frage, ob das Internet ein „rechtsfreier Raum“ sein darf. Warum ist dieses Mem so überaus erfolgreich? Drei Gründe stechen, meine ich, hervor: Zum einen ist dieses Mem randvoll mit jener Form gesamtgesellschaftlich konstruierter Ideologie, die so transparent ist, so unsichtbar, daß sie gar nicht als Ideologie wahrgenommen wird, sondern als selbstverständlicher Bestandteil von Natur und Welt erscheint. Darf es keine „rechtsfreien Räume“ geben? Ist „rechtsfrei vs. rechtserfüllt“ in allen Situationen und Medien einforderbar dasselbe? Gibt es keine akzeptablen Zwischenstufen? Oder leben wir nicht sogar ständig mit genau solchen Zwischenstufen? Darüber müßte zum Beispiel einmal nachgedacht werden. Wird es aber nicht. Das zweite Element, das dieses Mem so erfolgreich macht, ist die rhetorische Macht, die es im Sinne einer metonymischen Manipulation entfaltet. Hier steht ein Aspekt (Kinderpornographie) für ein Medium (das Internet), und jede Frage, die dieses Medium aufwirft (Redefreiheit, informationelle Selbstbestimmung), erscheint durch die Macht der Metapher, der Metonymie, plötzlich auf erpresserische Weise unzulässig („die Kinder, die Kinder!“). Das dritte Element, und da sind wir ganz Mensch und ganz Kaninchen, ist ein billiger Taschenspielertrick: was ist überhaupt dieser „Raum“?

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Disruption und Konflikt

It’s me, Siggi. Einigen wohl bekannt aus der ersten Staffel vom Elektrischen Reporter, einigen aus …was wyrd. Nun also mit diesen feinen Herren hier in diesem Gehäuse. Die Themen, die uns wie ferngesteuerte Magnetit-Cruise-Missiles aufeinandercrashen liessen, sind gleich gut geeignet sowohl Firmen als auch Staaten zu maltretieren. Womit ich beim Thema meines morgigen Kurzvortrags auf dem 2.WaveWednesday wäre. Flotte Kurve, gell?

Was beim allfälligen Gebrauch der Floskel, etwas sei disruptiv nie so recht dargereicht wird, ist die unfeine Begleiterscheinung “Konflikt” (Buh!) wenn etwas wirklich, wirklich disruptiv ist. You don’t get disruption without the ugly sister conflict. Die Frage ist also: Welchen Stellenwert hat Konflikt in der Adaption von Informationstechnologie? Heute nacht werde ich darüber noch etwas nachdenken und hoffe morgen abend alles in ein sauberes 8-Minuten-Schleudertrauma verpacken zu können.

Hier nochmal die Destiny Dates:

2.WaveWednesday
Weißenburgstrasse 52
Düsseldorf
20 Uhr

Wave auf dem iPhone

engadget präsentiert uns ein nettes kleines Video mit Wave auf dem iPhone. Der Alex hat das auch schon mal ausprobiert.

Ich bin unsicher, ob das cool ist, oder nicht. Ist das iPhone das richtige “Realtime-Device”? Muß nicht ein Touch-Realtime-Interface anders aussehen, als der aktuelle Wave Client von Google? Bei der ersten Frage bin ich unsicher, dass muss ich ausprobieren. Bei der zweiten Frage ist meine Antwort relativ klar: Nein: Der aktuelle Wave Client ist kein komfortables Touch Interface. Nicht zuletzt hat mein Student Dominic Kennedy in seiner Bachelor Thesis [Demo in meinem Blog, Dominic Kennedys ‘meet.able’] dargestellt, dass Touch Interfaces, besonders wenn sie kreative Situationen verstärken sollen, anders ausschauen müssen… ganz anders.

Hallo Welt!

Oft sind es äußere Faktoren, die aus Musikern eine Band machen, oder aus Nerds einen Club. In unserem Fall war es keine Technologie, wie man eventuell auf den ersten Blick vermuten könnte. Sondern vielmehr eine Vision. Mit der Vorstellung von Wave hat Google uns zunächst begeistert und wir haben “das Ding” durchdekliniert, radikalisiert und dann auch (nach dem wir Accounts bekommen hatten und einen Google Wave Hackathon veranstaltet haben) entmystifiziert.

Entzaubern konnten wir jedoch nur die konkrete Ausformung, die Google uns in seinem aktuellen Client (wavesandbox.com) präsentiert, nicht aber die Vision von extrem beschleunigten – nein beschleunigenden kollaborativen Medien. Von Technologien, die alle möglichen Arten von Barrieren, wie etwa unterschiedlicher Sprache, Orte, Zeiten oder auch Eingabegeräte, unwichtig werden lassen. Google hat die Pasta aus der Tube gedrückt und niemand wird sie wieder hinein bekommen.

Deswegen spielt es auch keine Rolle, ob Wave es nun schaffen wird, seine Erwartungen zu erfüllen oder nicht. Wir alle sind infiziert und wir alle werden dieses Ding haben wollen oder sogar selber bauen. Die Idee ist nach einem sehr platonischen Ideal in der Welt und wird sich irgendwann völlig aplatonisch manifestieren.

Warum uns Wave so aufgeregt hat? Warum haben wir sehr viel mehr als Technologie in Wave gesehen?

Nun, wir – das sind zur Zeit vier Menschen: Siggi Becker, Alexander BenkerJ. Martin und ich, Tim Bruysten (Kontaktdaten auch im Impressum). Uns treiben ganz unterschiedliche Gründe an – Siggi, der Philosoph, Musiker und Denker, Alex, der Spezialist für “Personal Productivity”, J., der webaddicticted Werbetexter und Schreiber… und ich… nun, der Konzepter, Designer, PR und Berater… wir beschäftigen uns jeder auf seine Weise seit mindestens 15 Jahren mit diesem Web und seinen Tools – sind fasziniert von seinen Auswüchsen und Geschichten.

Uns verbindet aber eine gemeinsame, wenn auch von extrem unterschiedlichen Wahnsystemen angetriebene Vision von der hilfreichen, beschleunigenden Technologie. Und das soziale Tier Mensch wird nun mal beschleunigt durch das Integrieren, nein Assimilieren von Technologie in das individuelle, wie auch das gesellschaftliche Leben. Technologie die nicht als Gadget, sondern als evolutionärer Faktor verstanden wird. Nicht der einzige, aber einer der wichtigsten.

In diesem Kontext möchten wir uns hier im allgemeinen mit Kollaboration, mit Evolution und mit Technologie die dies beschleunigt befassen und im konkreten zumindest beginnen mit Google Wave.