Erfolgsfaktoren von Teams und kollaborativer Software

Was bedeutet es eigentlich, zu kollaborieren? Was sind die Parameter, die hergestellt sein müssen, damit eine Gruppe, mit oder ohne technologischer Unterstützung kollaborieren kann? Hier einige Gedanken aus der eigenen Erfahrung, zur Diskussion und ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

  1. Vertrauen in die strukturelle und fachliche Selbsteinschätzung der Teammitglieder untereinander und ein Verständnis für die daraus erwachsenden Handlungsspielräume des Einzelnen
  2. Vertrauen in die, gemessen an der in Punkt 1 aufgestellte Messlatte, der fachliche, organisatorische, strukturelle und politische Kompetenz der anderen.
  3. Keine, oder kaum Überschneidung der Kernkompetenzen der Teammitglieder
  4. klare Verantwortungsverteilung und -struktur mit einem fachlichen und/oder organisatoruschen Schwerpunkt für jedes Teammitglied
  5. Faire und diskursive Beratung im Team, aber keine Debatten
  6. Im Zweifel entscheidet der Verantwortliche
  7. Team != Demokratie
  8. Teamgröße einstellig halten, am besten mindestens drei und maximal siebeb Mitglieder
  9. Saubere und verständliche Meetingregeln, egal ob online oder offline, synchron oder asynchron
  10. Ziel und Zwischenziele sollten verstanden und von der absolut überwiegenden Mehrheit der Teammitglieder unterstützt werden
  11. [Monogeschlechtliche Zusammensetzung (?)]

Unterstützt Wave diese Faktoren? Zur Zeit eher nicht, sehr viel wird der “organisatorischen Ebene” überlassen. Dies ist dann kein Problem, wenn die soziale Sphäre des Teams diese Faktoren natürlich aus sich selbst hervorbringt. Tut sie dies jedoch nicht, so reicht es nicht aus, dass eine Software einen möglichst freien Wissensfluss begünstigt.

Bei Wikipedia haben diverse Phänomene, die besonders der oben angesprochenen Kompetenzproblematik entsprungen sind, zu einer Erhöhung der Verdienten geführt. Eine Methode, die einem öffentlichen Medium gut entspricht, wenn die zur Erhöhung führenden Wege transparent und fair genug ist. So fair, dass eine ausreichende Menge (20%, 1% ?) von Vorreitern entsteht.

Was ist aber in Gruppen, in denen die Mitglieder nicht sämtlich durch eine intrinsische Motivation getrieben sind? Wertet man diverse Studien zum Thema optimistisch aus, so sind nur rund 10% der Arbeitnehmer in Deutschland überhaupt motiviert bei der Arbeit… was entweder zu einer niedrigen effektiven Produktivität, oder dem Einsatz extrinsischer Motivation führt, die nicht zwangsläufig eine angenehme Situation ist. (Im weiteren Kontext ist auch auch der Artikel von Jay interssant: Google Wave in den Wissenschaften, sowie mein Artikel Google Wave Business Applicaton)

Hieraus kann man zwei Schlüsse ziehen. Erstens könnten Freelancer, kleine Gruppen, dynamische, freie Teams dank kollaborativer Software auch großen Konzernen als ernsthafte Konkurrenten gegenübertreten. Und sollte eine Software, wie etwa Google Wave, gleichzeitig ein Trust-System für ökonomische Verdichtung bieten, dann könnte diese Konkurrenz auch dann realisierbar sein, wenn infrastrukturelle Mittel notwendig sind. Aber das ist ein Gedanke für einen anderen Artikel. (siehe dazu auch den Artikel von Siggi Becker: Disruption und Konflikt)

Der zweite Schluss beginnt den gedanklichen Kreis dieses Artikels zu schließen. Es bedarf eines strategischen Verständnisses einer sozialen und ökonomischen Kommunikationskultur. Zahlreiche Hierarchien und deren politische und damit auch kommunikatorische Implikationen in Gesellschaften beruhen auf einer anderen kommunikations- und kollaborationstechnologischen Basis. Die Überreste des Industriezeitalters sind noch überall spürbar und die in Firmen eingesetzte Software bedient noch häufig die Metaphern dieser Zeit.

Von daher ist die Metapherlosigkeit von Wave vielleicht sogar ein nützliches Wischen der Tafel. Es kam mir der Gedanke, die Aufgabe von Wave könnte in der Rückbetrachtung in einigen Jahren genau aus diesem Zweck bestehen. Doch auch dies führt uns in einen anderen zukünftigen Artikel. (siehe dazu auch Siggis Gedanke: Re-Label)

Die Herausforderung liegt demnach primär nicht auf der technischen Ebene. Nicht, dass ich dies für eine neue Erkenntnis halten würde. Jedoch wird es an dieser Stelle noch einmal explizit deutlich: Erfolgsfaktoren von kollaborativer Software sind weit jenseits des technischen Rahmens zu finden. Die Bedeutung einer sauberen, sicheren und performanten technologischen Realisierung sollte aber in keinem Fall unterschätzt werden.

Die Erfolgsfaktoren sind aber eher Dinge wie:

  • Adaptierung an die soziale und motivatorische Konstitution eines Teams (ein “Schieberegler” zwischen organisatorischen und formal-technischen Regeln)
  • Herstellung einer vertrauenswürdigen Umgebung (Das bedeutet: verständlich, klar, transparent, sicher, …)
  • … und damit auch: Herstellung eines gemeinsamen semiotischen Raumes
  • Flow fördernd (Erkennbarkeit von Strukturen, Zwischenzielen, Ergebnisstufen und dem übergeordneten Zweck, …)
  • … und damit auch: Ein ästhetisches, angenehmes, gut strukturiertes Interface
  • Beschleunigung des tatsächlichen Kreationsprozesses / der produktiven Arbeit
  • … und damit auch: Sichtbarmachung von Ergebnissen und Erfolgen sowie von Lücken und Fehlern
  • Transformierbarkeit und Wiederverwendbarkeit von Daten, Informationen und Wissen
  • und schließlich; in der Summe der Gedanken: Ein atemberaubend gutes Interaktionsdesign

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