Warum rockt Wave das Web?

Unser kleines Spiel um Wave Einladungen hat einige lustige Blüten vor und hinter den Kulissen getrieben. Wie aber nicht nur die Kommentare zum Artikel vom Freitag, sondern auch die Artikel die Alex zusammengetragen hat zeigen, lagen wir mit unseren Einschätzungen hier im Blog und bei den WaveWednesdays und Wave Hackathons ganz auf der Linie.

Zunächst: Alle mögen die Idee von Wave. Und die Meisten übernehmen nahtlos die in Wave implizierte Kritik Googles an den altehrwürdigen Formen von E-Mail, Foren, Newsgroups, Blogging und Microblogging, Wikis usw. usf.

Der Kommentar von Christian Schmitz zeigt jedoch die Disparität der Diskussion. Während die eine Fraktion Wave als Applikation des Webs in Konkurrenz zu einigen anderen Applikationen, wie eben Blogs und Wikis sieht, sieht Christian Wave eher als Konkurrenz des Webs:

“Wer oder was das Napster des Wave wird wird sicher eine der Schlüsselfragen des Internet 2010”

Wobei ich hier “Napster” eher als einen beispielhaften Begriff sehen möchte. Auf der einen Seite eine “Killerapplikation”, die die Massen in Wave hineinzieht, auf der anderen Seite als eine interessante Analogie. Was möchten wir eigentlich im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts am liebsten über das Internet tauschen?

Digital Public greift in seinem Kommentar eine andere Dimension auf. Bringt uns Wave qua seiner technischen Möglichkeiten des gleichzeitigen gleichberechtigten Lese- und Schreibzugriffs auf beliebige Daten dazu, eine neue Form von Kommunikationskultur, der Kommunikationsgesten zu etablieren? Mehr Respekt und mehr Ehrlichkeit?

Warum könnte also Wave das Web rocken?
Es besitzt das Potential, eine echte Kommunikationsschicht für das Web zu etablieren. Nicht auf der technischen, sondern auf der sprachlichen, der kulturellen, der zwischenmenschlichen Ebene. Jenseits von OSI.

Und gleichzeitig könnte es eine Kommunikationskultur herbeiführen helfen, die dem Web nicht nur als Zustandsmedium, sondern zusätzlich auch als Fluidum gerecht wird.

Da wir den ersten Punkt hier schon ausführlich besprochen hatten, werde ich mich hier noch kurz dem zweiten widmen… der ebenfalls von hohem Interesse für Designer ist.

Die Gesten der digitalen, vernetzten Kommunikation sind in der Regel auf ganz natürliche Weise entstanden, wie eben gelebte Kommunikation entsteht. Sie sind ein Slang, eine Sprachvariante, eine Sprachergänzung. Ohne Emoticons sind Chats, SMS, Forenbeiträge (…) nicht denkbar; ohne Hashtags funktioniert Twitter nicht (Hier der Einfachheit halber nur diese beiden betrachtet). So haben Gesten Einzug in die Welt der visuellen Sprachen gehalten; bilden Morpheme und komplexere Zeichenstrukturen.

Sie erklären uns, wie jemand etwas gemeint hat (Emoticon); sie vernetzten den Kontext und erlauben so die Zuordnung einer semiotisch-logischen Welt (Hashtag). Und so nerdig diese Gesten auch sind, sie sind unverzichtbar, wenn man effektiv und möglichst ohne Missverständnis kommunizieren möchte.

Wie sehen nun die Gesten in Wave aus. In einer Realtime-Kollaboration mit 7 Teilnehmern? Wie bekundet man sich Gegenseitig das Vertrauen? Wie markiert man einen Bereich mit “Finger weg, hier denke ich gerade”, wie schubst man einen Gedanken in die Aufmerksamkeit aller, wie fokussiert man auf ein Ziel…

… und warum Wave eventuell nicht das Web rocken wird.
All dies sind Fragen, die das aktuelle Wave Interface, der Google eigene Client nicht löst. Wie schon häufiger hier und an anderen Stellen erwähnt, ist genau dies der Punkt, an dem Wave noch nicht das Web rockt. Es will die Manifestation – das Kondensat von allem was 2.0 ist sein und tritt uns mit einem Interface aus einer 0.9 Welt entgegen.

Einem Interface was genau an dieser Stelle noch viel zu wenig leistet: Dem Ermöglichen von Gesten, die das was technisch möglich ist, in einen semiotischen Raum heben, der das Geschehen auch für Nicht-Techniker verständlich macht. Also genügend kongruent mit dem mentalen Projektionsraum von “normalen Benutzern” ist…

Weiterlesen:

1 thought on “Warum rockt Wave das Web?”

  1. How could Google Wave transform journalism and publishing.
    Hallo Wavler, und wieder hätte ich da einen Link, pupsaktuell, von Adam Turners itwire zu Fragen der Kollaboration beim Verfassen von Texten. Tenor: my crafted words should stay intact. – Kann sich jemand vorstellen, dass tausend Hände bei van Gogh mitgepinselt haben, um ein Meisterwerk zu gestalten ? In seinem Beitrag gibt er ein sehr spannendes Gespräch mit Jacob Chapel wieder. Unbedingt lesen:
    http://www.itwire.com/content/view/28393/1085/1/1/
    Howdie Jürgen Gundlach

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